Handwerk hat goldenen Boden, heißt es allgemein. Dieser Spruch, wie einige andere, stellen sich heutzutage aber ganz anders dar. Man kann sie ruhig mal in Frage stellen.

Neben hohen Lohnkosten, Mangel an Fachkräften, starker Bürokratie, teils unsinnigen EU-Vorschriften, hohem Aufwand für Fuhrpark und kurzlebiger Ausrüstung belasten den Handwerksbetrieb auch noch hochgestochene Kundenansprüche in Qualität, Preis und Lieferzeit und das alles bei ständig schwindender Zahlungsmoral der Auftraggeber..Je kleiner der Betrieb, umso mehr treiben diese Faktoren den Inhaber in finanzielle Sorgen.

Der Ausfall kleinerer Forderungen kann meist kompensiert werden, ein grösserer Forderungsverlust oder Verschleppung stellt dann die Existenz des Betriebes schnell in Frage. Schliesslich finanziert der Handwerker bei der Bearbeitung eines Auftrages erstmal alle Kosten für Material und Löhne (incl. Steuern und Sozialabgaben ) vor, auch seiner eigenen Arbeitszeit. Bei Rechnungsstellung muss er auch noch die im Rechnungsbetrag enthaltene Mehrwertsteuer sofort ans Finanzamt abführen. Dieser Betrag entspricht in der Regel seinem Gewinn aus dem Auftrag incl. seiner Arbeitszeit. Wenig Branchen erlauben da mehr.

Kann oder will der Kunde jetzt nicht zahlen, oft einfach aus Taktik, muss der Handwerker seinem Geld buchstäblich nachlaufen.
Und hier, so erfuhr die Bayernpartei aus vielen Klagen von Handwerkern, fängt das Dilemma erst richtig an. Auf dem Papier gibt es vom Gesetzgeber alle Möglichkeiten, dass er zu seinem Geld kommt. In der Praxis aber stellt sich schnell heraus, dass er allein , ohne jegliche brauchbare Werkzeuge und Hilfe der Justiz, mit weiterem Geldaufwand und zeitlichem Einsatz für sein Recht kämpft. Ein Mahnbescheid kostet erstmal Geld, ein Rechtsanwalt sehr viel Geld und Gerichtskosten müssen auch ausgelegt werden, sonst rührt keiner einen Finger für ihn. Gut für ihn, wenn er wenigstens eine (teuere) Rechtschutzversicherung hat.

Gibt es dann nach langer Wartezeit endlich eine Gerichtsverhandlung, weil die Gerichte bekanntlich überlastet sind, steht der Handwerker staunend vor dem Richter, der in der Regel erstmal beiden Parteien einen Vergleich vorschlägt. Der Richter spart sich Zeit und Arbeit , der Kunde spart sich (oft schon einkalkuliert) viel Geld – nur der Handwerker wird um seinen Erfolg geprellt. Oft geht der Handwerker dann auf einen Vergleich ein, weil er das Geld in der Regel schnell braucht, um seinen nächsten Auftrag vorfinanzieren zu können. Und Kontokorrent ist auch nicht billig oder überhaupt möglich, vor allem für junge Unternehmer.

Recherchen der Bayernpartei ergaben, dass die Richter in Deutschland angewiesen sind, immer erst einen Vergleich vorzuschlagen, was auch von einigen Rechtsanwälten zu erfahren war. Das spart wie gesagt Arbeit und Zeit der Richter. Nicht nur hier bei Zivilprozessen, sondern auch bei Strafprozessen wird ja heute auch schon munter gekartelt (Ecclestone u.Co. lassen grüssen).
Unser Handwerker hat einem Vergleich zugestimmt, um zum Grossteil seines Geldes zu kommen. Dafür zahlt er dann die halben Gerichtskosten und seinen Anwalt selbst. Er darf aber vorerst hoffen. Kommt dann immer noch kein Geld (überlastete Gerichtsvollzieher oder Insolvenz des Kunden z.B.), hat er „halt Pech gehabt“ und die Justiz beutelt sich ab. Immerhin kann er dann nach einigen Jahren die ausgelegte Mehrwertsteuer vom Finanzamt zurückfordern. Welch ein Trost !

Das Schicksal so mancher Handwerksbetriebe wird also durch mangelnde, lasche und langwierige Arbeit der Justizeinrichtungen negativ beeinträchtigt. Es gibt für diese Betriebe praktisch keine Hilfe im Falle eines Forderungsausfalls, weil alles, was der Handwerker unternehmen kann, mit weiteren Kosten und Risiko verbunden ist. Das endet immer wieder mal beim Konkurs.
Ein Handwerksbetrieb ist nach Gesetz erfolgverpflichtet im Gegensatz zu anderen Unternehmen oder Dienstleistern.

Wenn wir in Bayern weiterhin mit Stolz auf unsere guten und leistungsfähigen Handwerksbetriebe verweisen wollen, müssen wir auch mehr für ihren Erhalt leisten !

Deswegen fordert die junge Bayernpartei:

Verfahrungslängen der Justiz wesentlich verkürzen !

Verwaltungsverfahren wesentlich beschleunigen !

Vergleichs“zwang“ abschaffen !

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